CDU-Hofgespräch

04.08.2021

Horst: Landwirte in Sorge um ihre Zukunft

70 Bauern aus den Kreisen Steinburg und Pinneberg diskutierten mit CDU-Bundestags- und Landtagsabgeordneten über die Zukunft der Landwirtschaft.

„Wir müssen leben können, sonst gibt es für uns keine Zukunft mehr. Probleme mit Verordnungen in den Bereichen Tiertransport, Düngung und Weidehaltung schnüren uns die Luft ab.“ Mit diesem Appell gab Kreisbauernverbandsvorsitzender Joachim Becker die Diskussionsrichtung vor bei einem Hofgespräch der CDU in Horst mit drei CDU-Bundestagsabgeordneten.

Beckers Verbandskollege für den Kreis Pinneberg, Georg Kleinwort, ergänzte die Sorgen der Bauern: „Wir ersticken in der Bürokratie. Immer mehr kleinere Betriebe geben auf. Bei Obst und Gemüse haben wir nur einen Selbstversorgungsgrad von 30 Prozent und können trotzdem kein Geld damit verdienen. Wir dürfen uns in der Ernährung nicht abhängig von anderen Ländern machen.“

Diskussionsrunde bei Familie Wendtland

Zu der Diskussionsrunde auf den Hof der Familie Wendtland in Horst waren 70 Landwirte aus den Kreisen Steinburg und Pinneberg gekommen, um ihre angestaute Frustration und Enttäuschung vorzutragen. Neben den CDU-Bundestagsabgeordneten Mark Helfrich aus Steinburg und Michael von Abercron aus Pinneberg sowie dem Landtagsabgeordneten Heiner Rickers war die CDU-Agrarexpertin Gitta Connemann aus Ostfriesland gekommen.

In ihrem leidenschaftlichen Statement stellte sie die Frage: Ist unsere Ernährung noch gesichert? In Deutschland gäbe es noch 260.000 landwirtschaftliche Betriebe, davon aber schon die meisten im Nebenerwerb. Dabei sei die Ernährung immerhin noch die viertgrößte Branche in Deutschland. Als aktuelle Problemfelder führte sie drei Bereiche an: die Wirtschaftlichkeit durch den anhaltenden Preisdruck, die gestiegenen Auflagen bei der Tierhaltung und der Feldbewirtschaftung sowie die gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung. „Viele Bauern werden beschimpft als Bodenvergifter, Insektentöter und Klimaveränderer.“

Sie beschrieb aber auch die schwierigen Diskussionen im Bundestag und selbst in ihrer CDU-Fraktion über die Tiertransportverordnung, die Düngeverordnung und das Bundesnaturschutzgesetz. „Es gibt nur noch wenige Bundestagsabgeordnete, die aus der Landwirtschaft kommen. Dadurch fehlt oft der nötige Sachverstand zur Umsetzung der Regelungen.“ Sie appellierte deshalb an die Landwirte, sich auf kommunaler Ebene zu engagieren und öffentlich ihre Stimmen zu erheben. „Wir brauchen einen Gesellschaftsvertrag mit langfristigen und verlässlichen Zielen, damit die Landwirte Planungssicherheit für Umstellungen und Investitionen haben.“ Allein mit dem Ökolandbau werde man die Gesellschaft nicht ernähren können.

Mark Helfrich bekannte sich in der Diskussion zur Tierwohlabgabe. „Reine Appelle haben bisher nichts gebracht.“ Gitta Connemann ergänzte: „Wenn die Gesellschaft mehr will, muss die Gesellschaft auch mehr zahlen.“ Zur Photovoltaik-Problematik auf landwirtschaftlichen Freiflächen führte Helfrich aus: „Die Dächer bieten noch ein gigantisches Potential, das sollte Vorrang haben. Und bei den Freiflächen sollte man auf die gleichzeitige landwirtschaftliche Nutzung achten. „Aber jede Gemeinde regelt das selbst durch Bebauungspläne.“

Am Ende der Diskussion versicherte Moderator Heiner Rickers: „Wir Vier brennen für die Landwirtschaft und bleiben an Ihrer Seite.“
– Quelle: https://www.shz.de/33107497 ©2021