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Pressemitteilung vom 08.01.08
Brunsbüttel - Die Multi-Energie-Stadt
2009 soll das AKW abgeschaltet werden. Doch die Stadt hat vorgebaut. Und es geht ihr gut damit.

Von Ulf B. Christen (Hamburger Abendblatt)


In der Kleinstadt Brunsbüttel gibt es nicht nur ein Kernkraftwerk, sondern einen bundesweit einmaligen Energiemix. Im Industriegebiet zwischen Elbe und Nord-Ostsee-Kanal steht eine der größten Windkraftanlagen der Welt. Mindestens zwei moderne Kohlekraftwerke sind geplant. Ein Biomasse-Kraftwerk ist bereits im Bau. Brunsbüttel ist ein bundesweit einzigartiges Schaufenster für eine leistungsfähige Energieproduktion, schwärmt Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU), der die Stadt gut kennt. Er war dort von 1977 bis 1981 Bürgermeister. Der heutige Amtsinhaber Wilfried Hansen (parteilos) setzt noch einen drauf: "Einen so bunten Energie-Strauß wie bei uns gibt es in ganz Europa wohl kein zweites Mal." In Brunsbüttel werde aus fast allem Strom gemacht:

  • Das Kernkraftwerk (771 MW) ging 1976 ans Netz und bringt Brunsbüttel (14 000 Einwohner) immer wieder in die Schlagzeilen. Der Siedewasserreaktor, der nach einer Pannenserie derzeit vom Netz ist, soll nach dem Atomkonsens im Frühjahr 2009 stillgelegt werden. Der Betreiber Vattenfall möchte die Laufzeit verlängern und wird darin von Bürgermeister Hansen unterstützt. Ohne unser Kernkraftwerk würde es der Stadt deutlich schlechter gehen. Die Planungen für die nicht atomare Zukunft haben aber längst begonnen.

  • Die Stadt hat die Bauleitplanung für zwei Kohlekraftwerke (je 800 MW) eingeleitet. Sie sollen am Elbufer nahe dem Atommeiler stehen. Die beiden Investoren, Electrabel Deutschland sowie Südweststrom Tübingen, haben zudem eine Option auf einen zweiten Kraftwerksblock (jeweils weitere 800 MW). Geht alles glatt, könnten die Kraftwerke 2011 anlaufen. Verhandelt wird über ein drittes Kohlekraftwerk, und Bürgermeister Hansen schließt nicht aus, dass auch Vattenfall in Brunsbüttel anklopft, falls das in Hamburg geplante Kohlekraftwerk scheitert. Was in Moorburg nicht möglich ist, ist in Brunsbüttel machbar. Große Hoffnungen setzt er aber auch auf erneuerbare Energien, insbesondere den Wind.

  • Windkraft: Neben dem Kernkraftwerk dreht sich seit November 2004 einer der größten Rotoren der Welt, eine 5MW-Anlage der Firma REpower. Der Prototyp (120 Meter Turmhöhe, 63 Meter Rotorblattlänge) hat sich bewährt. Bis Jahresende will REpower im benachbarten Ort Büttel einen Windpark mit einer Handvoll 5MW-Anlagen bauen. Solche Mega-Rotoren sollen auch offshore eingesetzt werden, in geplanten Windparks in der Nordsee. Brunsbüttel hat hierbei eine Schlüsselrolle. Die Windparks vor der Küste sollen über den Elbehafen bestückt werden und ihren Strom über Brunsbüttel ins deutsche Netz einspeisen.

  • Schon im Sommer 2008 soll auf dem Gelände eines Bitumenwerkes am Nord-Ostsee-Kanal ein Biomasse-Kraftwerk ans Netz gehen. Betrieben wird es mit Holz, genauer mit Hackschnitzeln aus Knicks im Norden. Das Kraftwerk, das die Stadtwerke Flensburg und die MMC Energy Europe planen, soll neben Strom (6 MW) auch Wärme (15 MW) für das Bitumenwerk erzeugen und dort eine mit Heizöl befeuerte Anlage ersetzen.

  • Selbst aus Abfall wird in Brunsbüttel Energie. Auf dem Gelände des Chemiewerks Bayer wird ein Industrieheizkraftwerk geplant, das aus Textil- und Papierresten Strom und Wärme erzeugt. Und ebenfalls im Schatten des Kernkraftwerks arbeitet bereits die SAVA, die Sondermüll verbrennt und Strom ins Netz einspeist.

"Brunsbüttel hat eben das größte Industriegebiet in ganz Schleswig-Holstein", bilanziert Hansen stolz. Die Bürger sehen das absolut positiv. Die Energieproduktion schaffe 60 Kilometer elbabwärts vom Hamburger Hafen neue Arbeitsplätze und fülle die Stadtkasse. Brunsbüttel hat einen ausgeglichenen Haushalt. Schulen, Kindergärten und Sportanlagen seien in einem guten Zustand, sagt Hansen bescheiden. "Na ja, der Zustand der Anlagen ist schon sehr gut."

Hamburger Abendblatt, erschienen am 3. August 2007