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Pressemitteilung vom 20.07.13
Man muss sich aus der Deckung wagen
Will für die CDU in den Bundestag einziehen: der Dägelinger Mark Helfrich. <i>Foto: vm</i>
Will für die CDU in den Bundestag einziehen: der Dägelinger Mark Helfrich. Foto: vm
(Quelle: Norddeutsche Rundschau, Volker Mehmel) Münsterdorf, Itzehoe, Florida, Göttingen, Düsseldorf, Quickborn. Und fast wäre Mark Helfrich sogar noch im italienischen Parma gelandet. Die privaten und beruflichen Stationen sind fast schon typisch für einen Vertreter seiner Generation. In Münsterdorf ist der 34-Jährige aufgewachsen, an der Itzehoer AVS hat er sein Abitur gemacht und dann in Göttingen Betriebswirtschaft studiert.

Als Austauschschüler verbrachte er noch ein Jahr in den USA. Beim Nudelfabrikanten Barilla sammelte er in Düsseldorf erste berufliche Erfahrungen. Damals bekam er das verlockende Angebot, in die italienische Zentrale zu wechseln. Dass er am Ende in Dägeling seine Wurzeln schlug, dürfte er seiner Bodenständigkeit zu verdanken haben. Der Energiekonzern EON lockte beruflich nach Quickborn, privat zog es Helfrich in die alte Heimat zurück. Im Frühling vergangenen Jahres bezog der mit einer Sparkassen-Mitarbeiterin verheiratete Steinburger sein Einfamilienhaus im Neubaugebiet Holzkoppel-Süd. Privat könnte das erst einmal die Endstation sein, beruflich steht vielleicht ein weiterer Wechsel vor der Tür. Helfrich will die Nachfolge des in den eigenen Reihen in Ungnade gefallenen Dr. Rolf Koschorrek antreten und für die CDU in den Bundestag einziehen.

Dabei hätte Mark Helfrich durchaus auch die Lehrerlaufbahn einschlagen können. "Ich glaube, das hätte ich auch gut gekonnt", ist er überzeugt. Die passenden Gene dürften die Eltern mitgeliefert haben – als Lehrerehepaar in Lägerdorf. Am Ende wurde es eine eher kaufmännische Ausrichtung. Und doch hat das Thema Bildung seinen Lebensweg entscheidend mitgeprägt. "Über meine Eltern habe ich mitbekommen, dass es da an allen Ecken und Enden kneift." Auslöser für ein politisches Engagement sei dann die Gesamtschuldiskussion an der Auguste-Viktoria-Schule gewesen. Als junger Schüler habe er gesehen, wie sich damals für die Eltern Ingrid Reichhelm mächtig ins Zeug gelegt hatte. So ein bisschen ist die Itzehoer Stadtpolitikerin wohl politische Ziehmutter geworden.

An seine ersten Gehversuche in der Politik hat Helfrich allerdings keine so guten Erinnerungen. "In den Sitzungen, an denen ich teilnahm, fühlte ich mich nicht so recht aufgehoben." Losgelassen habe ihn das Thema aber nicht mehr. In der Ära Schröder/Lafontaine sei er in die CDU eingetreten. Er erinnert sich: "Der Wechsel war nach so langer Zeit mit Helmut Kohl sicher richtig." Aber mit der Politik der rot-grünen Koalition konnte er sich auch nicht anfreunden. Ob er dann zielstrebig eine politische Karriere in Angriff genommen habe? "Ich habe regional viel gemacht, wollte aber auch mein Studium nicht vernachlässigen." Es blieb bei einem eher unauffälligen Engagement in der Jungen Union und später dann auch im Kreistag. Auch das Sprungbrett in den Bundestag habe er keinesfalls bewusst angesteuert. Bis zum Jahreswechsel 2011/2012 sei das eigentlich gar kein Thema gewesen. "Klar, Interesse hatte ich schon. Die Frage für mich war nur: Kann ich das auch leisten?".

Die Antwort gab es dann auf die zweite Frage: Gibt es noch einmal im Leben so eine Chance? Im vergangenen Oktober bekam er sie – und das überraschend deutlich. Fast 70 Prozent der Mitglieder stimmten für Helfrich als Bundestagskandidaten für den Wahlkreis Steinburg/Dithmarschen-Süd/Segeberg-West. "Ich hätte auch mit einer anderen Entscheidung leben können", sagt der 34-Jährige rückblickend. Er lässt durchblicken, dass ein so klares Ergebnis für ihn kein Selbstläufer war. Aber: "Man muss sich auch mal aus der Deckung wagen. Das tut der Politik ganz gut." Sein politisches Vorbild in der Region ist wohl Dietrich Austermann. Helfrich erinnert an die Anfänge der Windenergienutzung. „Da ist Austermann gegen alle Widerstände für seine Position eingetreten. Wichtig ist, dass man nicht nur Stimmungen aufnimmt, sondern Politik gestaltet.“ Er macht dann auch gleich sein Verständnis von Politik deutlich: "Es muss ein Ringen um die besseren Ideen sein. Und wenn jemand anderes ein bessere Idee hat, nehme ich die auch gerne auf."

Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Energiewende, Infrastruktur. Das sind seine Themen. Gerade in der Nutzung erneuerbarer Energie sieht er für seinen Wahlkreis die Zukunftschance schlechthin. "So etwas bekommt man nur alle paar Jahrzehnte einmal geboten", will er hier seinen politischen Schwerpunkt setzen. Seine große Sorge ist allerdings, dass viele Menschen das noch gar nicht richtig erkannt haben. "Auf diesem Gebiet gibt es viele Bekennerleute, die aber ihre Hausaufgaben nicht machen." Berührungsängste mit den Grünen hat Helfrich übrigens keine. "Das ist wohl auch ein bisschen typisch für meine Generation. Da sind wir gar nicht so weit auseinander" Im nächsten Atemzug zeigt er aber auch gleich, wo die Unterschiede zur CDU-Politik liegen. "Wenn es um den Bau von Straßen geht, kommen wir wohl kaum auf einen Nenner."

Ob er sich jetzt auf einen Dauerposten im Bundestag einrichtet ? "Wenn sich in vier Jahren ein andere Situation gibt, würde mich das nicht schockieren. Das gehört zum demokratischen System dazu." Dabei lässt er aber auch eine gesunde Portion Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten durchschimmern: "Ich habe genug Grundvertrauen in mich, dass ich mir um meine Zukunft keine Sorgen mache." Sorgen bereiten ihm eher die demografische Entwicklung in seiner Heimatregion und das schwindende ehrenamtliche Engagement. Aber auch hier hat er ein Rezept parat: "Wir müssen gerade bei der Rekrutierung von Fachkräften vor allem das vorhandene Potential besser nutzen."

Mark Helfrich geht hier mit gutem Beispiel voran. Statt Düsseldorf und Parma fiel seine Wahl auf Dägeling. Und auch der schrumpfenden Einwohnerzahl will er begegnen. Wenn es mit dem Bundestag klappt, soll deshalb trotzdem nicht die persönliche Familienpolitik darunter leiden. Überhaupt habe er das Thema Berlin natürlich intensiv mit seiner Frau besprochen. Eine Bedingung: Die Dienstwohnung in der Bundeshauptstadt soll möglichst klein und ungemütlich ausfallen. Mit dieser Vorgabe dürfte Helfrichs Ankündigung, im Wahlkreis deutlich mehr Präsenz als sein Vorgänger zu zeigen, nicht nur ein Lippenbekenntnis bleiben. Erst einmal muss Helfrich aber den Wahlkreis gewinnen. Vor vier Jahren hatten die Christdemokraten das noch mit einem deutlichen Vorsprung geschafft. Schafft er den Einzug in den Bundestag wäre Mark Helfrich wohl der bislang jüngste Steinburger Bundestagsabgeordnete. Auch vier Jahre später würde er noch immer zur jüngeren Abgeordneten-Riege zählen – auch wenn er solange noch gar nicht planen will.
Volker Mehmel (sh:z)