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Pressemitteilung vom 22.06.13
Nichtstun nach dem Abschied – für wenige Tage
(Quelle: Norddeutsche Rundschau, Volker Mehmel) Seit heute ist der Hohenasper Hans-Friedrich Tiemann auch im politischen Ruhestand / In die Steinburger Geschichte geht er als besonders volksnaher Kreispräsident ein

Er hat das Amt geprägt wie kaum einer seiner Vorgänger. Zehn Jahre lang war Hans-Friedrich Tiemann als Kreispräsident höchster Repräsentant des Kreises Steinburg. Seit gestern Abend ist der Hohenasper im politischen Ruhestand. Schon vor einem Jahr hatte er sich entschieden, das Ehrenamt an den Nagel zu hängen. "Man soll dann aufhören, wenn es am schönsten ist", so seine Begründung damals. Und jetzt? "Erst einmal zwei, drei Tage nichts tun", sagt der 65-Jährige. Der Terminkalender war zehn Jahre lang randvoll. Kreispräsident war nach dem Verständnis von Tiemann ein Fulltime-Job. Ganz auf Null wird es aber nicht gehen. "Es gibt schon erste Anfragen." Zum Beispiel aus Krempe. Natürlich wird Tiemann auch beim Gildefest wieder dabei sein.

Dabei hätte nicht viel gefehlt, und Hans-Friedrich Tiemann wäre ganz andere Wege gegangen. Nach der Wende hätte er als damaliger Mitarbeiter der Raiffeisen-Genossenschaft nach Mecklenburg-Vorpommern gehen können. Dass er Kinder im schulpflichtigen Alter hatte, bescherte Steinburg einen Kreispräsidenten des Volkes. 1988 wurde er in Hohenaspe endgültig sesshaft.

Im Kreishaus ging Tiemann zehn Jahre lang ein und aus, hatte sein eigenes Büro und ein Vorzimmer. Praktisch: Als hauptamtlicher Geschäftsführer des CDU-Kreisverbandes war sein Arbeitsplatz gleich um die Ecke. 51 Sitzungen des Steinburger Kreistages hat er geleitet – und damit fast jede sechste seit Kriegsende. Nur einer konnte auf eine längere Amtszeit zurückblicken, Peter Dohrn. Die Abgeordneten führte er zumeist an langer Leine durch zum Teil anstrengende Sitzungen. Kaum jemals wurde die eher antiautoritäre Sitzungsführung missbraucht. Tiemann thronte als menschliche Autorität über dem hohen Haus. Nicht ohne Stolz berichtet er, dass er niemals von seinem Hausrecht habe Gebrauch machen müssen. Dankbar erinnert er sich dabei aber auch an die vielschichtige Unterstützung durch die Mitarbeiter der Verwaltung. Zum Abschied gab er im Kreishaus vergangene Woche noch einmal ein Eis aus. Rund hundert Portionen mussten herangeschafft werden.

Nur einmal gab es Gewitterwolken über dem historischen Landratsamt. Während Tiemann mit Landrat Dr. Burghard Rocke eine fast schon ideale Arbeitsteilung pflegte, flogen im Umgang mit dessen inzwischen entlassenem Nachfolger auch schon einmal die Fetzen. Gerne spricht Tiemann darüber nicht mehr. "Das ist Geschichte." In die Geschichte eingegangen ist Tiemann ohnehin auf einem ganz anderen Terrain. In seiner ersten Wahlperiode klapperte er persönlich sämtliche Gemeinde- und Stadtvertretungen sowie Ratsversammlungen in den mehr als 100 Steinburger Städten und Gemeinden ab. Eine wahre Herkules-Aufgabe – neben den vielen anderen Verpflichtungen. In seiner zweiten Amtszeit konnte Tiemann das Programm sogar noch toppen. Er besuchte jede Steinburger Gemeinde mit dem Fahrrad. Meist hatte er dabei auch noch zahlreiche Bürger und Mandatsträger im Schlepptau. Gut 700 Kilometer hat er in 22 Touren auf diese Weise abgestrampelt. So wie zuletzt bei Sommerland demonstrierte er dann auch noch gleich mit den Bürgern für einen dort lange geforderten Radweg.

Und was hätte er bei einer möglichen weiteren Wahlperiode unternommen? Tiemann denkt kurz nach und zollt dann den vielen Feuerwehren und Sportvereinen im Kreisgebiet seinen Respekt. Die Tour de Steinburg hätte also weitergehen können.

So dürfte Hans-Friedrich Tiemann einer der ganz wenigen Menschen sein, die jeden Steinburger Bürgermeister persönlich kennen. Und nicht nur die. In den zehn Jahren hat er nicht nur ungezählte Sitzungen und Veranstaltungen besucht, sondern auch zahlreiche Familien. Diese Termine haben ihn bis heute am meisten beeindruckt und geprägt. "Das ist ja noch die Generation, die Krieg, Flucht und Nachkriegsjahre, also eine ganz erlebnisreiche Zeit mitgemacht hat." Einige der Familien hat er bei hohen Geburtstagen oder seltenen Ehejubiläen sogar schon mehrfach besucht. Da gab es auch viele Schicksale, die ihn ganz besonders berührt haben. Zum Beispiel beim 100. Geburtstag einer Brokstedterin. Diese hatte als junge Frau ihren in Russland eingesetzten Mann per Fernhochzeit geheiratet. Just am Tag, als sie allein vor dem Standesbeamten in der Heimat stand, kam die Nachricht, dass ihr Mann gefallen war.

Terminkalender, Einladungen und Programme füllen einen ganzen Aktenordner – pro Jahr. Tiemann hat alles sorgfältig abgeheftet. Bei dem Pensum braucht man Kondition. Die holt sich Tiemann beim Sport. Regelmäßig nimmt er an Langstreckenläufen teil, zuletzt absolvierte er die Fünf-Kilometer-Strecke beim Störlauf. Den Tipp, den Ausgleich zum anstrengenden Ehrenamt im Sport zu suchen, hatte er sich zuvor bei seinem Hausarzt geholt. Tatsächlich musste Tiemann auch fernab seiner vielen Termine Kondition und Disziplin an den Tag legen. Überall tauchte er nur bestens präpariert und informiert auf. "Manchmal dauerte die Vorbereitung länger als der Termin selbst." Bis zuletzt waren öffentliche Auftritte für ihn aber auch keine selbstverständliche Routine. "Das war jedesmal, als wenn ich zu einer mündlichen Prüfung gegangen wäre", schmunzelt er. In der Anfangszeit habe er noch sehr viel Lampenfieber gehabt. Als Kreispräsident habe er auch in seiner persönlichen Entwicklung "unheimlich viel dazugelernt". Auch, wie man am besten mit den vielen Einladungen zum Essen und Trinken umgeht. "Bei Alkohol konnte man ja immer Nein sagen, beim Essen war das schon schwieriger." Auch hier half der regelmäßige Sport. Und der Versuchung Alkohol stand ohnehin die Gewohnheit entgegen, für fast jeden Termin selbst am Steuer zu sitzen. Nur bei ganz seltenen Ausnahmen griff der Kreispräsident mal auf einen Fahrer der Kreisverwaltung zurück. "Bei den Matjeswochen musste man ja ein Bier trinken, und bei der Kremper Gilde Erdbeerbowle."

Vor allem das letzte Jahr seiner Amtszeit forderte noch einmal den ganzen Kreispräsidenten. Der personelle Wechsel an der Spitze der Kreisverwaltung und zahlreiche Sondersitzungen zu weitreichenden Themen standen auf der Tagesordnung. Und dann hatte sich auch noch sein Schwiegersohn Carsten Butenschön für das Amt des Landrats beworben. "Da hatte ich überlegt, ob ich das Amt vorzeitig aufgebe" – Tiemann wollte auch hier allen Interessenkonflikten aus dem Weg gehen. Aber es seien ja nur noch ein paar Monate gewesen. Umso glücklicher ist Tiemann, dass mit dem Kreishaus-Neubau, der Katastrophenschutzzentrale und einem neuen Block für das Regionale Bildungszentrum zukunftsträchtige Beschlüsse noch zum Abschluss gebracht werden konnten.

So machte Hans-Friedrich Tiemann seine 31 Jahre als Kreistagsabgeordneter noch voll. Seit 1982 sitzt er im Kreishaus – mit nur einer kurzen Unterbrechung. "Angefangen habe ich in der letzten Reihe." In all den Jahren habe zu allen Abgeordneten stets ein gutes Verhältnis gehabt. Auch wenn der Ton damals durchaus noch rauer gewesen sei. Tiemann wirft Namen wie Felgendreher, Peperkorn, Barth, Buhmann, Fölster und Lausten ins Gespräch. Sein großes Vorbild sei damals Georg Rösler gewesen, einer seiner Vorgänger als Kreispräsident. Und welchen guten Rat gibt er nun seinem Nachfolger? Tiemann denkt wieder kurz nach. "Er sollte alle Kreistagsabgeordneten immer wieder ermahnen, dass der Kreistag kein Parlament ist, und dass sie Verantwortung für den ganzen Kreis und seine Bevölkerung tragen." Auch um die Zukunft des Kreises und seiner vielen selbstständigen Gemeinden ist ihm nicht bange. Er ist überzeugt, dass allenfalls finanzieller Druck zu Reformen und Fusionen führt. "Solange aber bleibt Wiedenborstel Wiedenborstel."

Einige Tage lang will sich "Fiete" Tiemann Ruhe gönnen. Bleibt abzuwarten, wie lange er das durchhält. Vier Töchter und acht Enkelkinder, da ist man auch als Opa gefordert. "Ich will nicht nur das machen", versichert der 65-Jährige. Eine wesentliche Änderung wird es im Hause Tiemann aber auf jeden Fall geben. Zehn Jahre lang hatte er Ehefrau Karin täglich einen Tagesausdruck seines Terminkalenders auf den Tisch gelegt. Jetzt sind auch wieder mehr gemeinsame Termine möglich.
Volker Mehmel (sh:z)

Das ist Hans-Friedrich Tiemann
Hans-Friedrich Tiemann wurde 1947 als ältester Sohn auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Drage geboren. Nach erfolgreichem Abschluss der mittleren Reife in Itzehoe, landwirtschaftlicher Lehre, 18 Monaten Wehrdienst und Landwirtschaftsstudium an der Fachhochschule in Rendsburg war er viele Jahre bei der Raiffeisen-Warengenossenschaft in Hohenlockstedt und Kellinghusen für den Ein- und Verkauf von landwirtschaftlichen Bedarfsartikeln zuständig. Am 1. Juli 1992 trat er die vakant gewordene Stelle eines CDU-Kreisgeschäftsführers an. Ende 2010 ging er in den Ruhestand. Neben seinem politischen Engagement ist er Mitglied der Jagdgemeinschaft Hohenaspe und im Hohenasper Schützenverein sowie seit 2003 Mitglied der Kirchenkreis-Synode.