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Pressemitteilung vom 16.03.12
Warten, bis der Landarzt kommt
Diskutierten über die Zukunft der medizinischen Versorgung im Kreis Steinburg: (Von links) Dr. Reinhold Wenzlaff, Dr. Rolf Koschorrek, CDU-Landtagsabgeordneter Heiner Rickers und Dr. Hans-Georg Helm. <i>Foto: Röhrs</i>
Diskutierten über die Zukunft der medizinischen Versorgung im Kreis Steinburg: (Von links) Dr. Reinhold Wenzlaff, Dr. Rolf Koschorrek, CDU-Landtagsabgeordneter Heiner Rickers und Dr. Hans-Georg Helm. Foto: Röhrs
(Quelle: Norddeutsche Rundschau, Kristina Röhrs) Ein sympathischer Dorfdoktor, der sich voller Hingabe um seine Patienten kümmert und immer ein Lächeln auf den Lippen hat – Das Konzept der ZDF-Fernsehserie "Der Landarzt" funktioniert seit 25 Jahren bestens. Aber kennt man den Landarzt bald nur noch aus dem Fernsehen?

In der Realität ist den Allgemeinmedizinern auf dem Land das Lächeln nämlich längst vergangen. Auch sie hängen sich mit Herzblut in ihren Job, aber das System macht ihnen das Leben schwer. Darum ist es auch schwierig Nachwuchs zu finden. Es gibt zwar viele Jung-Mediziner, aber die sind wählerisch: Sie gehen lieber in die Städte, die Praxen in der Provinz verwaisen. Der Kreis Steinburg bildet da keine Ausnahme. Die Steinburger CDU brachte das Thema in einer Podiumsdiskussion zur Sprache.

Die Zahl der Besucher – die meisten von ihnen Mediziner – war zwar überschaubar, diskutiert wurde dennoch viel: Wie lässt sich eine patientennahe und bedarfsgerechte medizinische Versorgung im ländlichen Raum sichern? Wie kann dem drohenden Ärztemangel begegnet werden ? Was können die Gemeinden dazu beitragen? Und welche Chancen eröffnet das neue Versorgungsstrukturgesetz?

Fest steht: Wenn nichts geschieht, sieht die Zukunft düster aus. Derzeit sind 18 Landarztstellen in Schleswig-Holstein unbesetzt – "zwölf davon in Steinburg", betonte Dr. Reinhold Wenzlaff, Zweckverbandsvorsteher des Klinikums Itzehoe. Und es kann noch schlimmer kommen, wie Dr. Klaus Heger, Internist und Allgemeinmediziner aus Glückstadt, erklärte. Von den 87 Hausärzten im Kreis seien 40 Prozent zwischen 60 und 75 Jahre alt. "Fünf Jahre hat die Politik noch Zeit, die Rahmenbedingungen zu ändern, dann geht ein Großteil der Hausärzte in den Ruhestand." Wenn sich für diese Ärzte keine Nachfolger finden, drohe im schlimmsten Falle sogar eine Unterversorgung.

Damit sich neue Dorfdoktoren finden, müsse sich einiges ändern, machten die Mediziner deutlich. Kritisiert wurde unter anderem der Regressdruck. Mit dem Privatvermögen für zu teuer verschriebene Medikamente zu haften, erinnere an die mittelalterliche Inquisition und verderbe jungen Kollegen gründlich die Lust auf eine Laufbahn auf dem Lande, so ein Mediziner. "Wir brauchen ein wirtschaftliches Überprüfungssystem", hielt Dr. Rolf Koschorrek, Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Gesundheitsausschuss des Bundestages dagegen, ob auf diese Weise, sei aber zweifelhaft. Koschorrek sprach sich außerdem für Einzelleistung- statt Pauschalabrechnungen aus. "Davon sind wir gar nicht so weit weg."

Zur Sprache kam auch, dass das Budget oft schon am Limit sei, bevor das Quartal zu Ende ist. "Politik und Kassenärztliche Vereinigung verlassen sich auf unser Helfersyndrom", so ein Mediziner. Kritisiert wurde auch die unterschiedlich hohe Vergütung in den Bundesländern. Die niedergelassenen Ärzte im Süden bekommen eine höhere Pauschale pro Patient als die im hohen Norden. "So lange die Bezahlung bundesweit nicht fair geregelt ist, so lange müssen wir uns in der Provinz keine Gedanken machen, wie wir Ärzte herbekommen", mahnte Wenzlaff. "Die politischen Lobbyisten hier sind nicht stark genug." Dr. Hans-Georg Helm, Zahnarzt und CDU-Kreistagsabgeordneter, brachte die Überbürokratisierung zur Sprache. Statt sich dem Patienten zu widmen, muss der Arzt nebenbei viel Verwaltung erledigen.

Aber es bestehe Hoffnung, wie Koschorrek betonte. Das Versorgungsstrukturgesetz verbessere die Rahmenbedingungen. So entfalle beispielsweise die Residenzpflicht. Auch Helm präsentierte Lösungsansätze, darunter ein Modell aus Sachsen, das Studenten mit einem Stipendium fördert. "Der Deal ist einfach: Die Mediziner bekommen Unterstützung für das tägliche Leben und eine Startchance in einer Landarztpraxis, dort müssen sie aber mindestens vier Jahre bleiben." Und bekämen hoffentlich Lust auf das Landleben.

Es gibt aber auch schon einen ganz konkreten Angang im Kreis: Junge Ärzte können sich in einer Verbundweiterbildung zu Allgemeinmedizinern qualifizieren. Drei Jahre arbeiten sie am Krankenhaus, zwei Jahre in einer Landarztpraxis. Die Jungmediziner müssen sich nicht mehr einzelne Stellen suchen, das wird im Verbund organisiert. Aber Hausärzte in ländliche Regionen zu locken, sei nicht allein über Geld zu machen, wie Koschorrek betonte. Auch andere Standortfaktoren, wie Kindergärten oder Freibäder, spielen eine Rolle. Der Arzt soll sich ja wohl fühlen. "Macht eure Dörfer lebens- und liebenswert", so Helm. "Sonst heißt es irgendwann: ,Bauer sucht Arzt’."
Kristina Röhrs (sh:z)