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Pressemitteilung vom 24.01.11
Werte-Suche zwischen Dschungelcamp und Krieg
Laterne als Dank: Heinz Köhnke (li.) und Ralph Busch mit Monsignore Rainer Schadt. <i>Foto: Götz</i>
Laterne als Dank: Heinz Köhnke (li.) und Ralph Busch mit Monsignore Rainer Schadt. Foto: Götz
(Quelle: Norddeutsche Rundschau, Katrin Götz) Ein Neujahrsempfang mit einem Vortrag des leitenden Militärdekans für Norddeutschland zum Thema "Gelten heute noch Werte?" – beim Blick auf die Einladung von CDU-Ortsverband und CDU-Stadtfraktion konnte einem schon ein wenig bange werden. Schwere Kost. Lange Ausführungen. Viel Theorie.

Die Sorgen waren unbegründet. Ortsvorsitzender Heinz Köhnke und Fraktionsvorsitzender Ralph Busch bewiesen ein glückliches Händchen bei der Auswahl des Ehrengastes. Monsignore Rainer Schadts Vortrag fiel gestern ebenso humorvoll wie nachdenklich aus. Der Militärseelsorger hatte die Befürchtungen der Zuhörer wohl geahnt. Man solle eine gemütliche Sitz- oder Stehposition einnehmen, forderte er zu Beginn seiner Rede augenzwinkernd – denn er beabsichtige, zweieinhalb Stunden zu referieren.

Hergegeben hätte es das Thema sicher, nicht zuletzt mit Blick auf die Geschehnisse auf dem Marine-Schulschiff "Gorch Fock". Der Militärdekan schnitt das Thema nur kurz an, die laufenden Untersuchungen ließen mehr nicht zu.

Stattdessen gab er Einblicke in seinen Berufsalltag als leitender Militärdekan in Glücksburg und Kiel – mit Einsatzbereich bis ins polnische Szczecin. Wobei das nur sein Standort ist. "Unser Handlungsort ist der Arbeitsplatz der Soldaten." So führte seine Aufgabe Rainer Schadt auch schon zu den UN-Einsätzen in Kambodscha, Somalia und im ehemaligen Jugoslawien, im Rahmen der Operation "Enduring Freedom" ans Horn von Afrika oder – wie in den nächsten Tagen wieder – nach Afghanistan. Natürlich auch auf Marineboote: "Wir arbeiten offshore."

Das Segnen von Waffen gehöre ebenso wenig zu seinen Aufgaben wie das "moralische Aufrüsten" von Soldaten zum Kämpfen. Dort im Krieg, wo Tote und Verwundete zum Alltag gehören, zwischen Soldaten, die mehrheitlich keiner Religionsgemeinschaft angehören, gehe es um "die Verkündung des Friedens in der Welt".

Keine leichte Aufgabe. Genau wie die Suche nach den Werten. Gibt es sie überhaupt noch, zwischen Schlachtfeld und Dschungelcamp, zwischen Politikverdrossenheit und Wutbürger? "Über Werte redet man gerne, wenn sie einem abhanden gekommen sind", weiß der Militärdekan. Und das scheinen sie an vielen Stellen. Das Vertrauen in die Führungseliten sei verschwunden, "die moralische Autorität der katholischen Kirche hat substantiell gelitten durch die Missbrauchsskandale". Und viele Menschen seien in der Globalisierung "rat- und orientierungslos" geworden. Man sehne sich nach einem Wertekanon.

Dieser sei dort zu finden, wo nicht Ästhetik mit Ethik verwechselt werde, wo man nicht darauf schaue, was ankommt, sondern worauf es ankommt. Der Maßstab zur moralischen Unterscheidung zwischen gut und schlecht beruhe zum Beispiel auf geschichtlichen Erfahrungen und religiösen Traditionen. "Die Grundwerte sind in der Menschenwürde beinhaltet." In der Pflicht, die Rechte des anderen zu respektieren. "Das gilt auch für andere Religionen."

Doch es gebe viele Wege – und auch Umwege – zum Ziel. "Und dass der eingeschlagene Weg ein Holzweg ist, zeigt sich leider oft erst im Nachhinein."
Katrin Götz (sh:z)