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Pressemitteilung vom 29.04.09
Medizinische Versorgung in der Fläche erhalten
Diskutierten in Kellinghusen: Dr. Gerhard Marioth, Bernhard Ziegler, Dr. Rolf Koschorrek und Dieter Hahne (v.l.).
Diskutierten in Kellinghusen: Dr. Gerhard Marioth, Bernhard Ziegler, Dr. Rolf Koschorrek und Dieter Hahne (v.l.).
Welche Zukunft hat die ärztliche Versorgung auf dem Lande? Diese Frage stellte eine Podiumsdiskussion der Kellinghusener CDU mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Rolf Koschorrek, dem Direktor des Itzehoer Klinikums Bernhard Ziegler und dem Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Steinburg, Dr. Gerhard Marioth.

Als Vertreter der niedergelassenen Ärzteschaft malte Dr. Marioth düstere Zukunftsperspektiven: Bei zum Teil drastischen Umsatzeinbrüchen durch die Honorarreform sah er viele Arztpraxen vor dem finanziellen Ruin. Zudem fehle es an Nachwuchs: "Die niedergelassenen Ärzte werden immer älter, immer weniger Medizinstudenten wollen später eine Praxis eröffnen", sagte Dr. Marioth.

Für die Probleme bei der Honorierung sah Dr. Koschorrek allerdings nicht die Politik, sondern die für die Verteilung der Gelder zuständigen Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen in der Verantwortung. "Wir haben deutlich mehr Geld ins System gegeben und in einigen Bereichen kommt weniger an - das ist nicht hinnehmbar", sagte Koschorrek, erwartete dabei aber eine spürbare Verbesserung durch die derzeit laufenden Nachverhandlungen. Wichtig sei es nun, eine Zersplitterung des Gesundheitssystems in immer mehr Interessensgruppen zu verhindern: "Ich werde dafür kämpfen, dass es auch weiterhin den Arzt gibt, der Patienten aller Kassen behandelt - und dafür angemessen bezahlt wird", sagte der Gesundheitspolitiker.

Eine vom Diskussionsleiter Dieter Hahne angedeutete Konkurrenzsituation zwischen Klinikum und niedergelassener Ärzteschaft wies Krankenhausdirektor Bernhard Ziegler entschieden zurück: "Das Klinikum ist in keiner anderen Lage als die niedergelassen Ärzte. Durch die Budgetierung verdienen wir durch zusätzliche Patienten nicht mehr - wir müssen sie aber natürlich versorgen", sagte Ziegler und verwies auf die gute Kooperation mit der Ärzteschaft bei der im Klinikum eingerichteten Anlaufpraxis. Gemeinsames Ziel müsse es sein, die dezentrale Versorgung durch Hausärzte auf dem Land zu erhalten: "Es muss wieder attraktiv sein, sich als Arzt niederzulassen."

Beifall fand seine Forderung nach einem drastischen Abbau der gerade im Gesundheitswesen üppig wuchernden Bürokratie. Die von Ziegler angemahnten klaren Strukturen mit langfristiger Planungssicherheit führte Dr. Koschorrek noch einen Schritt weiter. Bei einer sich immer mehr verändernden Altersstruktur der Bevölkerung reiche es nicht mehr aus, nur an Stellschrauben zu drehen - es sei an der Zeit für eine grundsätzliche Neuausrichtung: "Wir haben in Deutschland immer noch die beste medizinische Versorgung der Welt - aber wir müssen uns Gedanken über ihre Zukunft machen", sagte Koschorrek und sprach sich für mehr Eigenverantwortung aus.

Als praktischen Ansatz sah er die Kostenerstattung mit Eigenbeteiligung - der Arzt schickt seine Rechnung direkt an den Patienten, der reicht sie zur Erstattung an die Krankenkasse weiter. Für diese Form der Kostenkontrolle gäbe es allerdings eine klare Prämisse, betonte Koschorrek: "Die Voraussetzung ist natürlich, dass die Rechnung für den Patienten nachvollziehbar ist. Eigenverantwortung kann ich in einem System nur übernehmen, wenn ich das System auch verstehe."